Selfpublishing

Ist die Story gut und das Buch professionell erstellt, dann freut sich der Leser.

Was ist Self-Publishing eigentlich?

Es gab eine Zeit, zu der man jedem Germanistikstudenten nachgesagt hat, einen unveröffentlichten Roman in der Schublade liegen zu haben. Unveröffentlicht deshalb, weil sich keine Verlag gefunden hat, der sich des Manuskripts annehmen und es veröffentlichen wollte. Heute würde dieser Student vermutlich einfach selbst aktiv werden – und das Buch im Eigenverlag herausbringen. Dafür gibt es mittlerweile jede Menge Anbieter, die den ambitionierten Autor bei der Erstellung und Publikation des eigenen Werkes unterstützen.

Der Vorteil dabei:

Der Autor behält zu jedem Zeitpunkt die volle Kontrolle über den Inhalt, die Gestaltung und die Vermarktung seines Werks. Das heißt, es steht kein Verlag auf der Matte, dessen Lektorat inhaltliche Anpassungen fordert, oder der das Buch krampfhaft optisch in irgendeine Reihe pressen möchte. Zudem behält der Autor die Rechte an seinem Werk.

Der Nachteil wiederum:

Der Autor ist auch zu jedem Zeitpunkt zuständig für Inhalt, Gestaltung und vor allem für die Vermarktung sowie den Vertrieb seines Werks – und das kann mitunter ziemlich aufwändig werden, vor allem, wenn man zunächst keine Ahnung von solchen Dingen hat.

Wie funktioniert Self-Publishing?

Hat man die erste Hürde genommen und seine Ideen und Vorstellungen in Worte und Word gefasst, dann hat man noch lange kein Buch veröffentlicht, geschweige denn ein Exemplar davon verkauft. Und obwohl häufig vor allem das E-Book als die Veröffentlichungsform der Self-Publishing-Autoren angesehen wird, publizieren doch 95 Prozent der deutschsprachigen Self-Publishing-Autoren ihr Buch als Printprodukt. Dies ergab die bereits zum dritten Mal herausgegebene Self-Publishing-Studie des Book-on-Demand-Dienstleisters BOD: demnach publizieren 73 Prozent sowohl in Print als auch digital, 22 Prozent veröffentlichen sogar nur in gedruckter Form. Lediglich 5 Prozent entscheiden sich für die rein digital Variante. Erstens ist es einfach ein schöneres Gefühl, das eigene Werk gedruckt und gebunden in den Händen zu halten, als sich eine ePub-Datei anzuschauen, zweitens macht es sich zum Beispiel bei Lesungen besser, aus einem gedruckten Buch vorzulesen, als vom E-Reader, den man zudem nicht einmal für seine Leser signieren kann. Und drittens passt es auch durchaus zur Zielgruppe: Über die Hälfte (54 Prozent) der für die Studie befragten Leser legen großen Wert auf das Printbuch.

Der Anspruch an die Printprodukte ist allerdings klar: Wer Käufer finden und binden will, muss ein Werk vorlegen, das den Verlagsprodukten in Sachen Professionalität und Qualität gleichkommt – und dazu gehören ein professionelles Layout, eine perfekte Grammatik und Orthografie, eine ansprechende und zum Inhalt passende Cover-Gestaltung sowie eine saubere Bindung. Und das kann beileibe nicht jeder der verlagsunabhängigen Autoren, von denen fast die Hälfte reine Hobby-Autoren sind, selbst leisten. Mehr als jeder Dritte der für die BOD-Studie befragten Autoren arbeitet bei der Bucherstellung mit externen Dienstleistern zusammen, sei es dass Hilfe bei der Cover-Gestaltung in Anspruch genommen wird (69 Prozent), ein professionelles Lektorat (60 Prozent) oder zumindest ein Korrektorat (58 Prozent) gewählt werden oder auch die Gestaltung des Buchblocks extern vergeben wird (37 Prozent). Für Druck und Bindung werden ohnehin Profis benötigt. Und der Aufwand macht durchaus Sinn: klar bewegt laut der Self-Publishing-Studie vor allem der Inhalt des Buches die potenziellen Leser zum Kauf. Aber für immer hin 92 Prozent sind der Klappentext, für 73 Prozent die Covergestaltung entscheidende Faktoren bei der Kaufentscheidung.

Man muss sich klar machen, in welchem Bereich man Hilfe braucht.

Selbstverständlich haben sich für diese Belange mittlerweile schon zahlreiche Dienstleister etabliert, die für den jeweiligen Hobbyautoren die Verlagsfunktion übernehmen, doch die Angebote variieren stark – sowohl im Preis als auch im Umfang. Insofern sollte man sich die jeweiligen Dienstleister schon einmal genau unter die Lupe nehmen, ehe man sich entscheidet. Zudem sollte man sich möglichst im Vorfeld klar machen, was für eine Buchveröffentlichung nötig ist, was man davon selbst leisten kann und will und wo man Unterstützung in Anspruch nehmen möchte.

Das Layout/der Satz

Die meisten Hobby-Autoren erstellen ihre Manuskripte vermutlich in Programmen wie Word oder den gängigen kostenlosen Office-Programmen. Wer ein bisschen mehr investieren will, fährt zum Beispiel mit der Software Papyrus gut, die sich selbst „Textverarbeitung für Schriftsteller“ nennt und einige nützliche Funktionen wie die „Lesbarkeitseinschätzung“ oder die „Stilanalyse“ bietet. Dafür kostet die aktuelle Version allerdings auch 179 Euro. Professionelle Satz- oder Layoutprogramme wie QuarkXpress oder Adobe InDesign sind noch erheblich teurer.

Doch egal, welches Programm genutzt wird, am Ende wollen Druckdienstleister in aller Regel ein PDF des Manuskripts.

Bei der Erstellung der Daten sollte man unter anderem darauf achten, dass jede Seite des Buches einzeln verfügbar ist. Das heißt, Doppelseiten sind zu vermeiden. Bei der Nummerierung der Seiten ist es wichtig, dass linke Seiten gerade Zahlen, rechte Seiten ungerade Zahlen haben. Darüber hinaus muss eventuell geklärt werden, ob die verwendete Schrift auch kommerziell genutzt werden darf.

Es klingt vielleicht banal, aber es sollte darauf geachtet werden, ein Seitenformat zu verwenden, das dem späteren Format des Buchblocks entspricht – und dass auch alle Seiten dasselbe Format haben. Dazu passend sollte man auch die Schrift und deren Größe wählen. 10 oder 12 Punkt haben sich bewährt.

Weitere Tipps gibt’s hier bei uns unter Typografie/Layout.

Das Cover

Anspruchsvoller als beim Anlegen reiner Textseiten wird es bei der Gestaltung des Cover. Bevor man sich voller Enthusiasmus an die Covergestaltung macht, sollte man sich vorher folgende Punkte überlegen:

7 Fragen:

  • Wo bekomme ich ein passendes Bild her, das ich auch kommerziell nutzen darf?
  • Mit welchem Programm kann ich das Cover erstellen?
  • Wo integriere ich Elemente wie ISBN-Nummer, Preis etc.
  • Welches Format benötigt mein Umschlag?
  • Wie dick ist mein Buchrücken?
  • Soll die Innenseite des Covers auch bedruckt werden – und wenn ja, womit?
  • Welche Anforderungen hat der Druckdienstleister (Datenformate etc.)?

7 Antworten:

  • Für die Bilder gibt es Bilddatenbanken. Shutterstock, Pixelio, Fotolia oder istockphoto sind hier gute Adressen.
  • Auch für die Covergestaltung gibt es die entsprechenden Tools – von professionell (und kostenpflichtig) bis hin zu kostenlosen Tools. Zu letzteren gehören zum Beispiel die Grafikprogramme Gimp oder Paint.net oder das Schreib- und Layoutprogramm Scribus.
  • Anregungen und Inspirationen gibt es wie Sand am Meer oder wie Bücher im Regal.
  • Beim Taschenbuch entspricht das Coverformat dem des Buchblocks.
  • Die Dicke des Buchrückens ist abhängig von der Seitenzahl und der Grammatur und des Volumens des im Innenteil verwendeten Papiers. Achtung: Ein Blatt hat immer zwei Seiten. Zur einfachen Berechnung gibt es verschiedene Online-Rechner, die einfach die jeweiligen Daten abfragen (z.B. unter print-assistant.de oder www.buchwerft.de)
  • Die Innenseiten der meisten Taschenbücher sind unbedruckt. Falls aber auch hier eine Gestaltung vorgesehen ist, muss eine zweite Datei für die Umschlaginnenseite angelegt werden.
  • Generell sollte man sich frühzeitig bei seinem Druckdienstleister kundig machen, was beim anlegen der Datei zu beachten ist und in welcher Form er die Druckdaten benötigt.

Die Wahl des Druckdienstleisters oder die bekanntesten Self-Publishing-Dienstleister

epubli (www.epubli.de):

Von der Idee bis zum fertigen Buch will epubli laut Website seine Kunden begleiten. Dabei besteht die Möglichkeit, sein Werk als E-Book zu veröffentlichen, aber auch, es komplett drucken und fertigen zu lassen sowie es im einschlägigen Handel zu listen.

 

Die Berliner Self-Publishing-Plattform bietet unter anderem:

  • kostenlose Word-Formatvorlagen mit Seiteneinstellungen für die verschiedenen Buchformate. Es empfiehlt sich aber, am Ende ein PDF an epubli zu senden, damit beim Seitenumbruch nicht doch noch etwas schief geht.
  • zwölf verschiedene Buchformate von A6, über A5 und A4 in Hoch- oder Querformat bis zu den speziellen Buchformaten Taschenbuch, Wissenschaft, Sachbuch, Kinderbuch, Quadrat und Bildband...
  • fünf verschiedene Papiere im Grammaturen von 90 g/m² bis 250 g/m² in weiß oder cremeweiß sowie in matt oder glänzend. Zudem sind die Papiere FSC-zertifiziert.
  • vier Bindervarianten: Softcover, Hardcover, Ringbindung oder Heftbindung.
  • Print on Demand, so dass eine Produktion auf Lager nicht nötig ist. Die Lieferzeiten innerhalb Deutschlands werden mit 8 bis 10 Werktagen angegeben.
  • eine kostenlose ISBN-Nummer
  • kostenlose Meldung ans Verzeichnis lieferbarer Bücher
  • Abgabe Pflichtexemplare Nationalbibliothek
  • Abgabe an die Künstlersozialkasse
  • einen Preiskalkulator, mit dem sich die eigene Marge beim festgelegten Preis bestimmen lässt.
  • Zusammenarbeit mit den Barsortimentern KNV und Umbreit
  • Bei Amazon ist ebubli als Marktplatzanbieter vertreten, für den Kunden fallen allerdings Versandkosten an, die das Buch verteuern.
  • keine Vertragslaufzeit: Der mit epubli abgeschlossene Autorenvertrag ist innerhalb von fünf Tagen kündbar.
  • Laut der Website kann die Marge bis zu 70 % des Nettoerlöses betragen.

 

BoD (www.bod.de)

Ähnlich wie bei epubli sieht das Leistungsspektrum bei Books on Demand (BoD) in Norderstedt aus. Es gibt ein paar Format- und Bindevarianten mehr, die ISBN-Nummer ist dabei, ebenso die Aufnahme ins VLB sowie Abgabe der Pflichtexemplare an die Nationalbibliothek.

Was den Vertrieb angeht, so sagt BoD zu, dass das Werk ebenfalls bei den großen Barsortimentern gelistet wird. Wer will, kann sein Buch auch international vertreiben lassen. Laut der Selfpublisherbibel von Matthias Matting sind die über BoD vertriebenen Bücher im gesamten Buchhandel am besten lieferbar – auch via Amazon. Ein Preiskalkulator zur Berechnung der eignen Marge ist ebenfalls verfügbar.

Die Kosten liegen bei BoD allerdings höher. Das Leistungspaket „Classic“ kostet beispielsweise einmalig 19 Euro und bindet den Autoren für ein Jahr. Das Paket „Comfort“, bei welchem dem Kunden ein Projektpartner zur Seite steht, ist für 249 Euro zu haben und läuft ebenfalls für ein Jahr. Zudem müssen die Verträge jeweils drei Monate vor Ablauf gekündigt werden, ansonsten verlängern sie sich um ein weiteres Jahr. Allerdings kann der Selfpublisher dann auch auf die von BoD angebotenen Autorenservices zugreifen, zu denen beispielsweise ein Korrektorat oder ein Lektorat zählen. Diese Autorenservices sind interessant, da sie auch Unterstützung bei der Vermarktung des Buchs anbieten. Denn auch das Trommeln für die eigene Sache will gelernt sein.

 

Create Space (CreateSpace.com) oder Kindle Direct Publishing (kdp.amazon.de)

Ganz in die Hände von Amazon begibt sich, wer über die Plattformen CreateSpace oder KDP produzieren lässt. Letztere waren ursprünglich nur für die Verbreitung von E-Books zuständig. Mittlerweile lassen sich über KDP aber auch Taschenbücher veröffentlichen. Create Space ist für viele Self-Publishing-Autoren insofern interessant, dass keine Grundkosten entstehen, der Vertag ohne eine Mindestlaufzeit geschlossen wird, es demnach auch keine Kündigungsfristen gibt und die Autoren auch ihre Nutzungsrechte nicht abtreten müssen. Der Druck erfolgt ohne zusätzliche Kosten. Da nur on Demand produziert wird, werden die Druckkosten einfach vom Verklaufpreis direkt abgezogen. Laut Matthias Matting liegt die Marge bei CreateSpace und KDP ein wenig höher als bei anderen Portalen. Dafür erfolgt der Vertrieb ausschließlich über die Amazon. Die Aufnahme im VLB fehlt, auch gibt es kostenlos lediglich eine CreateSpace-Assigned ISBN. Die allgemein gültige ISBN ist für 99 US-Dollar zu haben. Bei KDP gibt’s die ASIN (Amazon Standard Identification Number).

Die Seite von KDP ist auf deutsch, die Seite von CreateSpace nur auf englisch verfügbar.

Die weitere Vermarktung

Ist das eigene Buch dann endlich gedruckt, bei Amazon und den diversen Großhändlern gelistet und verfügbar, geht es noch weiter darum, das Buch bekannt zu machen – vor allem über die eigenen Kanäle. Dazu gehören heute (fast) zwingend

  • Eine Autoren-Website mit Infos über den Autor, Leseproben und Bezugsquelle
  • Ein Facebook-Profil
  • Die Bereitschaft, sich in Foren wie Amazon-Foren, de, librarything.com, goodreads.com zu tummeln und sich in die Diskussionen einzubringen
  • Der Mut, das eigene Buch, verschiedenen Buchblogs zur Rezension/Kritik anzubieten
  • Ein eigener (Buch-)Blog