Veredelung

Bucheinband und Veredelung

„Don’t judge a book by it’s cover ...“ – so heißt zwar das geflügelte Wort, nur hält sich natürlich keiner dran. Selbstverständlich gucken wir als erstes auf Cover – und deshalb tun Verlage alles, um die „Verkaufsverpackung“ des Buches möglichst ansprechend zu gestalten. Und dafür gibt es jede Menge Möglichkeiten, mit denen sich ein gewöhnlicher Buchumschlag aus der Masse abheben kann.

Wenn man durch die Buchhandlungen geht und die dargebotene Lektüre lediglich auf ihren Einband hin anschaut, fällt vor allen Dingen eines auf: Gerade die preiswerteren Taschenbücher – und da ganz besonders Thriller oder Krimis – bestechen durch hochveredelte Umschläge. Hardcover-Bände fallen dagegen oftmals durch eine eher dezentere Gestaltung auf. Sie betonen ihren Wert eher durch zusätzliche Accessoires wie Schutzumschläge um das hochwertige Buchleinen oder – wenn es ganz edel sein darf – einen mehr oder weniger aufwändig gefertigten Schuber, beispielsweise eine komplette Edition bündelt.

Der Trend, bei den Taschenbüchern mehr zu klotzen als zu kleckern, hat seinen Ursprung im anglo-amerikanischen Raum, frei nach dem Motto: „außen hui – innen pfui“, denn viele der dort produzierten Taschenbücher sind auf billigem Papier in verbesserungsfähiger Qualität und mit teilweise haarsträubender Typografie gedruckt. Aber Hauptsache, die Verpackung stimmt. Für den deutschen Buchmarkt funktioniert diese Logik glücklicherweise nicht ganz so, weshalb hier nicht nur die Hülle, sondern auch die Inhaltsseiten ansprechend gestaltet und gedruckt werden müssen.

Bei den Buchcovern allerdings werden gerne auch sämtliche Register der Druckveredelung gezogen – mit teilweise beeindrucken Effekten. Doch bevor es nur um die Fragen der Optik geht: Die Druckveredelung hat selbstverständlich auch einen ganz praktischen und völlig banalen Nutzen: Sie schützt das Buch vor aller möglichen physikalischen Unbill. Kratzer, Wasserflecken, Schmutz und Risse sind nur ein paar der Gefahren, denen ein viel gelesenes Buch ausgesetzt ist.

Folienkaschierung

Und so wird heute selbst das Cover des billigsten Taschenbuchs mit einer hauchdünnen Folie überzogen – kaschiert. Dabei wird der Druckbogen – also der Bogen, der später zum Buchumschlag wird – mit einer hauchdünnen, meist transparenten Kunststofffolie verklebt. Diese Kaschierfolie hat eine Dicke zwischen 12 und 30 μm und wird in Kaschierkalandern von der Rolle verarbeitet. Üblicherweise bestehen die Folien aus Polypropylen, Acetat, Polyester oder Polyethylen.

Der Schutzeffekt ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die Folien können natürlich noch viel mehr: Da gibt es matte Folien, die in Kombination mit glänzenden Lacken oder Heißfolienprägungen beeindruckende Effekte ergeben. Da gibt es Glanzfolien, farbige Folien, Folien mit Lederoptik und –struktur ebenso wie Folien mit einer Leinenstruktur.

Man unterscheidet die Nass- und die Thermokaschierung. Bei ersterer wird ein viskoser Klebstoff auf die Folie aufgetragen, welche anschließend mit Druck und Wärme auf das Papier aufgebracht wird.

Bei Letzterer, der Thermokaschierung, ist die Folie bereits mit einem thermoaktiven Klebstoff vorbeschichtet, welcher durch Wärme aufgeschmolzen wird. Unter Druck verbindet dieser Klebstoff dann Druckbogen und Folie miteinander.

Zu beachten ist, dass aus technischen Gründen an allen Bogenkanten ein unbedruckter Rand von 10 mm notwendig ist. Am besten für die Kaschierung eignet sich ein gestrichenes Papier mit einer möglichst glatten homogenen Oberfläche. Wird Naturpapier kaschiert – was durchaus möglich ist – muss man sich klar machen, dass sich die Papieroberfläche durch die Folie hindurch abzeichnet. Das kann gut aussehen, man muss es aber wissen.

Probleme kann es auch geben, wenn Druck und Klebstoff oder Folie miteinander reagieren. Ist beispielsweise die Druckfarbe zu rau, können sich beim Aufbringen der Folie Bläschen bilden. Es sollten möglichst auch keine Druckpuder oder Hilfsmittel wie Wachse, Silikone oder Scheuerschutzpasten verwendet werden, da sonst die Folien nicht gut auf dem Untergrund haften.

Prägefoliendruck oder Heißfolienprägung

Eine spezielle Art der Folienveredelung, die in der Coverproduktion besonders gern eingesetzt wird, ist der Prägefoliendruck – auch Heißfolienprägung genannt. Dabei wird unter Hitzeeinwirkung sowie mit Druck eine Folie auf die Stelle aufgebracht, die hervorgehoben werden soll. Als Prägewerkzeug kommt dabei ein Prägestempel zum Einsatz. Simpel ausgedrückt wird also der Prägestempel auf den Bedruckstoff gepresst, der somit verformt wird. Je nachdem wie tief die Prägung sein soll, braucht es dabei eine Patrize als Gegendruckform. Auf die so entstehenden erhabenen Stellen wird die Folie übertragen und durch die Hitze – die Temperaturen liegen je nach Folie zwischen 80 und 200°C – fixiert. Es entsteht ein dreidimensionaler Effekt, der eben nicht nur optisch wahrgenommen wird, sondern auf fühlbar ist.

Ähnlich funktioniert das Reliefprägen, die sich hoch- und tiefprägen lassen. In beiden Fällen muss man sich im Klaren darüber sein, dass die Prägung auch auf der Rückseite des Covers sichtbar ist. Sollte also irgendein Motiv für die Umschlaginnenseite geplant sein, sollte man dies im Hinterkopf behalten.

Wie hoch beziehungsweise wie tief die Prägung jeweils ist, ist abhängig von Druck, der ausgeübt wird und vom Bedruckstoff selbst. Meist werden metallisierte Folien mit Gold- oder Silberoptik verwendet.

Auch farbige Pigmente können eingesetzt werden.

Ebenso wird gern der Effekt genutzt, der sich durch die Verwendung transparenter Folien ergibt.

Werden bei der Heißfolienprägung extrem filigrane Muster oder Motive gewünscht, können mit Hilfe eines Lasers oder einer Fräse feinste Strukturen – so genannte Mikrostrukturen – in den Prägestempel eingearbeitet werden. Diese Strukturen sind dann so fein, dass sie nicht den Bedruckstoff, sondern lediglich die Folie verformen und sich somit durch die Lichtbrechung interessante Effekte ergeben können.

Eine Prägung wiederum, bei der nur der Bedruckstoff verformt wird, ohne dass zusätzlich eine Folie aufgebracht wird, nennt man Blindprägung.

Wer für sein Buchcover eine Heißfolienprägung in Erwägung zieht, sollte unter anderem daran denken, dass das Material hohe Temperaturen aushält. Auch bei Lacken muss darauf geachtet werden, dass diese mit Heißfolienprägungen kompatibel sind. Gerade bei UV-Lacken gibt es nur sehr wenige, die für die Heißfolienprägung geeignet sind, weshalb sich hier die umgekehrte Reihenfolge empfiehlt. Erst prägen, dann lackieren.

Was den Bedruckstoff angeht, so eignen sich für die Heißfolienprägungen besonders glatte, beschichtete Papiere. Naturpapiere sind schwieriger zu bearbeiten. Zudem muss man damit rechnen, dass sich die Struktur des Papiers auf der Folie abzeichnet.

Kaltfolientransfer

Ähnliche Effekte – also metallische Optik, teilweise mit Farbe garniert – , aber zu günstigeren Preise lassen sich durch den so genannten Kaltfolientransfer erzielen. Dieser erfolgt direkt in der Offsetdruckmaschine in zwei zusätzlichen Druckwerken. Dabei wird im ersten Druckwerk ein spezieller Klebstoff auf den Bedruckstoff aufgetragen, wobei eine ganz gewöhnliche Druckform verwendet wird. Im zweiten Druckwerk wird dann die Folie aufgebracht. Die Folie besteht aus mehreren Schichten, die sich auf einer Trägerfolie befinden. Anschließend kann die Folie, ebenfalls inline, mit konventionellen Druckfarben oder auch UV- und Hybridfarben überdruckt werden. Dadurch ergeben sich verschiedenste metallische Farbtöne.

Was sich mit dem Kaltfolientransfer allerdings nicht erzielen lässt, ist der haptische Effekt. Wer also etwas für die Fingerspitzen braut, muss sich nach einer anderen Veredelungsvariante umsehen. Dafür vermeidet man den Verzug der Folie, da ohne Hitze gearbeitet wird. Dieser muss hingegen bei der Heißfolienprägung immer berücksichtigt werden.

Lackierung

Mit Sicherheit die am häufigsten eingesetzte Veredelungsvariante ist die vollständige oder partielle Lackierung des Umschlags. Da mittlerweile Lackierungen meist inline – das heißt in der Druckmaschine – erfolgen können, halten sich auch die Kosten dafür in Grenzen. Es ist schließlich kein zweiter Arbeitsschritt nötig. Doch auch hier gilt: Lack ist nicht gleich Lack und es muss bereits im Vorfeld festgelegt werden, welche Effekte man erzielen will.

Da gibt es zunächst die klassischen Dispersions- oder UV-Lacke, die entweder vollflächig als Schutzschicht oder partiell für Konturen appliziert werden. Diese werden entweder inline in der Druckmaschine oder offline im Flexo- oder Siebdruck aufgebracht und können sehr gut mit Folien kombiniert werden.

Wer bei Lacken das gewisse Etwas sucht, der kann mittlerweile aus einer ganzen Palette an Varianten auswählen.

Strukturlacke sind UV-Lacke, die bei der Aushärtung eine bestimmte Struktur bilden. Sie sorgen dabei beispielsweise für eine matt-raue oder auch granulierte Oberfläche.
Noch weiter geht der Sandlack, dem echter Quarzsand beigemischt ist.

Einen dreidimensionalen beziehungsweise einen Pseudo-Prägeeffekt erzeugt Relieflack im matt oder glänzend, der besonders für feine Elemente geeignet ist.

Für eine angenehme Haptik sorgt der Softtouch-Lack – eine matte, samtweiche Oberflächenbeschichtung.

Farbeffekte ergeben sich beispielsweise durch Iriodinlacke, bei denen schimmernde, changierende Pigmente eingearbeitet sind. Sie sorgen für perlmuttartige Effekte.

Glitterlack wirkt – wie der Name schon sagt – durch seine beigefügten Glitterpigmente in verschiedenen Größen und Farben.
Alternativ zur Heißfolienprägung lassen sich hochglänzende Silber- oder Goldlacke einsetzen.

Thermolacke wiederum verändern je nach Temperatur ihre Farbe.

Interessante Effekte lassen sich auch durch den Einsatz von Nachtleuchtfarbe erzielen.

Und wer nicht nur Augen und Fingerspitzen etwas bieten will, wählt Duftlacke, bei denen die eingearbeiteten Duftkapseln durch Reibung plätzen und so die enthaltenen Duftöle freisetzen.

Beflockung

Außergewöhnliche Effekte, vor allem für die Fingerspitzen, lassen sich durch die so genannte Beflockung erzielen. Wie die HTWK Leipzig es in ihrem Veredelungslexikon so treffend beschreibt, werden beim Beflocken Fasern mit Hilfe eines elektrischen Feldes quasi in Klebstoff „geschossen“. Konkret werden also Millionen sehr kurz geschnittener hochfeiner Fasern (Flock) auf eine mit Klebstoff beschichtete Oberfläche in einem elektrischen Feld aufgebracht. Diese Elektrostatik bringt die die Fasern dazu, sich sehr gleichmäßig senkrecht auszurichten, so dass eine samtähnliche Oberfläche entsteht. Diese kann je nach Länge und Festigkeit der Fasern plüschig-weich, samtig oder schon fast bürstenartig sein.

Die Beflockungen sind nicht nur optisch und haptisch ein Erlebnis, sondern inzwischen – dank moderner Klebstoffrezepturen – auch noch äußerst abriebfest und strapazierfähig.

Je nachdem, welcher Effekt gewünscht wird, kann die Beflockung über die gesamte Fläche oder aber auch nur partiell erfolgen. In aller Regel bestehen die Fasern aus Polyamid oder Viskose und sind in verschiedensten Farben erhältlich. Allerdings kann nur ein einfarbiger Flock eingesetzt werden. Eine Beflockung aus mehreren Farben ist in der Produktion recht aufwändig und damit teuer.

Ebenso ist in der Gestaltung auf ausreichend große Flächen zu achten. Da sich die Fasern bauschen, können allzu feine Striche und Linien mit der Beflockung nicht dargestellt werden. Dies sollte möglichst bei der Wahl des Motives berücksichtigt werden.

Ein weiterer, nicht ganz unwesentlicher Aspekt: Die Beflockung ist in der Herstellung und Verarbeitung recht aufwändig und zeitintensiv und somit als Veredelungsvariante verhältnismäßig teuer. Dafür verfehlt sie mit Sicherheit nicht den gewünschten Effekt.

Viele der hier erwähnten Veredelungsvarianten lassen sich miteinander kombinieren. Hier braucht es allerdings eine genaue Vorstellung, davon welche Effekte erzielt werden sollen und in welchem Kostenrahmen sich das Ganze bewegen soll. Es empfiehlt sich daher definitiv, frühzeitig auf die jeweiligen Veredler oder Verarbeiter zuzugehen und die verschiedenen Möglichkeiten – sowie die Auswirkungen auf den Produktionsablauf – abzuklären.